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Heimgottesdienst

Zuhause statt Kirche? Trotz Corona Gottesdienst feiern: Am Küchentisch

Heimgottesdienst der Kirchengemeinde Dreieich-Götzenhain

Nicht alle können in Corona-Zeiten in die Kirche gehen. Deswegen laden wir zum Haus-Gottesdienst ein.

Nicht alle können wegen Corona in den Gottesdienst in unsere Kirche in Götzenhain kommen. Deshalb laden wir Sie und Euch ein, mit einem Hausgottesdienst mit uns verbunden zu sein und mit uns Gottesdienst zu feiern. Lassen Sie uns gemeinsam eine Kerze anzünden.

Haus-Gottesdienst am 21.6.2020

Kerze anzünden

Liebe Gemeinde!

Herzlich willkommen zu unserem Hausgottesdienst.

Nicht alle wollen und können in den Gottesdienst kommen. deshalb laden wir Sie und Euch ein, auf diese Weise mit uns verbunden zu sein und Gottesdienst zu feiern.

 

Lied: EG 444 Die güldene Sonne

 

Votum: Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Aus Psalm 139

Von allen Seiten umgibst du mich

und hältst deine Hand über mir.

Gott du kennst mich und hast mich lieb.

Du achtest auf mich,

Du rufst mich bei meinem Namen.

Nie gibst du mich auf.

Von allen Seiten umgibst du mich

und hältst deine Hand über mir.

Ich sitze oder steht, ich liege oder gehe,

du hältst deine Hand über mir.

Alle meine Wege sind dir bekannt.

Alles, was ich denke und sage- du kennst es.

Wenn ich in Schwierigkeiten bin,

willst du mich begleiten.

Von allen Seiten umgibst du mich

und hältst deine Hand über mir.

Gott du kennst mich und hast mich lieb.

Du achtest auf mich,

Du rufst mich bei meinem Namen.

Nie gibst du mich auf.

Von allen Seiten umgibst du mich

und hältst deine Hand über mir.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist.

Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Gebet

Du lädst uns ein, lebendiger Gott,

und wir sind da.

Wir kommen zu dir

und suchen deine Nähe.

 

Wir kommen mit unseren Fragen

und suchen nach Antwort.

Wir kommen mit unserem Zweifel

und suchen nach Trost.

Wir kommen mit unserer Freude

und vertrauen darauf, dass alles bei dir aufgehoben ist.

 

Lesung:

Matthäus 11,25-30

In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast.

Ja, Vater, so hat es dir gefallen.

Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.

Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken.

Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele.

Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.

Glaubensbekenntnis

 

Lied: EG+87 Lobe den Herrn meine Seele

 

Predigt

Liebe Gemeinde!

Ich kann es nicht mehr tragen, sagt die alte Frau. Sie hat den Krieg erlebt, wurde aus ihrer Heimat vertrieben, hat mühsam sich ein neues Leben an einem anderen Ort aufgebaut. Sie hat eine Familie gegründet und immer hart gearbeitet. Dann hat sie ihren Mann verloren, aber immer noch nicht aufgegeben. 86 Jahre lang.

Jetzt sitzt sie in einem Pflegeheim und kann nur einmal in der Woche Besuch empfangen. Ihre Tochter darf ihre verknöcherte, von Rheuma geplagte Hand nicht halten.

Ich kann es nicht mehr tragen, sagt die alte Frau

 

Ich kann es nicht mehr tragen, sagt der junge Mann. Ständig engagiere ich mich für meinen Beruf, bin immer da, kümmere ich mich um alles. Mein Privatleben bleibt auf der Strecke. Ich habe kaum Zeit für Hobbys oder um Freundschaften zu pflegen.

Wann hört das mal auf?

Ich kann es nicht mehr tragen.

 

Ich kann es nicht mehr tragen, sagt die junge Mutter. Homeoffice, Lernen mit den Kindern, der Kleine will seine Freunde wieder treffen. Wann öffnet die KITA endlich wieder? Ich würde gern mal wieder mit meinem Mann Essen gehen. Einfach mal raus? Aber mit Maske?

Ich kann es nicht mehr tragen.

 

Ich kann es nicht mehr tragen, sagt die Frau. Sie hat mir einen Brief geschrieben. Wir haben alles gemacht, sagt sie, den Lockdown mitgetragen, haben uns von Verwandten und Freunden ferngehalten. Am Anfang haben wir die Zeit noch genossen, keine Flugzeuge am Himmel, die Ruhe. Doch jetzt: wir möchten gerne mal wieder in einen Menschen umarmen oder umarmt werden, wir würden uns gerne auf den Urlaub freuen. Aber wie soll das gehen mit all den Regeln? Wir wollen unsere „altes, unser normales Leben“ wieder zurückbekommen.

Ich kann es nicht mehr tragen.

 

Ich kann es nicht mehr tragen, sagt der Mann, Geschäftsführer eines kleinen mittelständischen Unternehmens. Wochenlang hatten wir keine Aufträge, jetzt herrscht Kurzarbeit. Finanzielle Unterstützung ist beantragt. Aber wird sie reichen? Wie wird es weitergehen mit der Wirtschaft?

Ich kann es nicht mehr tragen.

 

Liebe Gemeinde!

Das waren nur ein paar Stimmen aus unserer Gemeinde. Jeder und jede hat sein Päckchen zu tragen. In unserem Predigttext wird da vom einem Joch gesprochen. Eine Schultertrage, die einem Ochsen angelegt wird. Oben hat es einen Querbalken mit einem Polster, links und rechts hängen Eimer dran, gefüllt mit einer zentnerschweren Mischung aus Felsbrocken, Metallteilen, dicken Papierstapeln und massiven Fragezeichen.

So ein Joch ist sehr schwer und mancher Ochse wird unter der Last leiden oder zusammengebrochen sein.

 

Rückenschmerzen, Schulterschmerzen, das kennen die meisten von uns, liebe Gemeinde, sicher auch Ihr Konfis. Der Nacken spannt und tut weh. Das viele am Computersitzen, das ständige Handy halten, der Kopf immer leicht nach vorne gebeugt, das alles trägt dazu bei und verstärkt es.

Die Schulter, liebe Gemeinde, ist eine empfindliche Stelle. Sie reagiert sofort, wenn ich einer Anspannung ausgesetzt bin. Ohne dass ich es merke, wird die Schulterpartie fest, irgendwann tut sie weh. Dann erst frage ich mich: Was ist los?

Ich spüre genau: Habe ich heute Nacht ungeschickt darauf gelegen? Leise kracht es. Ich richte mich auf, spüre noch einmal hin. Ich lasse meine Schultern kreisen. Ich setze dem ein wenig Haltung entgegen, was auf den Schultern lastet und auf dem neuen Tag.

 

Auf vielen Schultern liegt Verantwortung, liebe Gemeinde. Für die Kinder. Für das Haus. Für irgendwas. Wie ein schwerer Rucksack zieht sie an den Schultern, bis es schmerzt.

 

Auf vielen Schultern liegen Geschichten, liebe Gemeinde, die ein Mensch schon erlebt hat und die er nicht loswird: Geschichten schwer wie Blei, Geschichten vom Verlieren, vom Alleinsein oder vom Alleingelassen werden. Mit solchem schweren Gepäck kommt man oder frau nur mühsam vom Fleck.

Auf allen Schultern liegt etwas, an allen Schultern ziehen Lasten in Rucksäcken und Umhängetaschen; oder Lasten wie an einem Joch.

Viele Lasten sind noch schwerer als meine eigenen. Dennoch manchmal kann ich es einfach nicht mehr tragen. Ich muss eine Pause machen, muss, ehe ich weitergehen kann, den Rucksack einmal heruntertun, einmal mich hinsetzen und durchschnaufen, die Schultern erst hängen lassen und dann kreisen, einmal vorwärts, einmal zurück.

Manchmal höre ich dann von einem lieben Menschen den Satz: Tu dir mal was Gutes.

Geh mal ein Eis essen, schwimmen, oder fahr einen Tag  einfach mal weg! Tu dir was Gutes! Mach es!

Es tut gut, das zu hören. Manchmal braucht es so einen Anstoß, um auf die eigenen Bedürfnisse aufmerksam zu werden oder auf die eigenen Grenzen. Machen muss ich es dann aber immer noch selbst. Auch eine Kunst, die gelernt sein will: mir selbst etwas Gutes zu tun.

 

Ja, einfach mal den Lebens-Rucksack absetzen und eine Pause einlegen.

Komm her! sagt Jesus. Kommt her ihr alle, die ihr an euren Rucksäcken, an euren zentnerschweren Eimern, an euren Laptoptaschen, Einkaufskörben, Schulranzen, Koffern, Werkzeugkästen, Sauerstoffgeräten, an euren Geldsorgen, eurem Kummer und eurer Planlosigkeit zu schwer tragt, ihr alle: „Kommt her zu mir! Ich will euch erquicken!“

 

Gott sei Dank: Hier ist jemand, den es interessiert, ob mir meine Portion zu schwer ist, ob ich überladen, überfordert, überanstrengt, überlastet, überbeansprucht bin von dem, was ich mit mir herumschleppe.

Komm her! sagt Jesus. „Kommt her zu mir! Ich will euch erquicken!“

 

Wie allein dieser Satz den Krampf in den Schultern löst: „Ich will euch erquicken“. Wie er mich innerlich aufrichtet. Weil ich merke: Hier geht es wirklich um mich. Da ist einer, der mich erquicken will. Es geht ihm darum, dass ich es leichter habe, dass ich nicht so schwer trage an dem, was ich mit mir herumschleppe.

Von ihm werde ich nicht bevormundet, nicht reglementiert, nicht zurechtgewiesen, nicht angefahren.

Ich werde auch nicht zwangsbeglückt mit etwas, das ich nicht will und nicht brauche. Nein: Ich werde erquickt. Nur erquickt.

 

Hier muss ich mir nicht selbst etwas Gutes tun. Kommt her zu mir, sagt Jesus. Ich will euch aufrichten, stärken, die Last von euren Schultern nehmen. Ich bin derjenige, der das kann. Und ich mache es auch. Denn ich kenne eure Bedürfnisse und eure Grenzen besser als ihr selbst.

Denn es gibt Dinge, wesentliche Dinge, die könnt ihr euch nicht selbst geben. Ihr könnt sie nicht kaufen, könnt sie euch nicht einfach irgendwo holen oder mitnehmen. Ihr seid darauf angewiesen, dass ihr sie geschenkt bekommt. Dazu bin ich da. Ich will euch erquicken.

 

„Kommt her zu mir!“ Das klingt so leicht, so einladend, so schön, so verheißungsvoll. Aber wo ist das? Wohin muss ich gehen, wenn ich zu ihm kommen will? Und wo finden die ihn, die noch viel mühseliger und beladener sind als ich, die ihn noch viel dringender brauchen als ich?

 

Vielleicht, liebe Gemeinde, würden wir zuerst in der Kirche nach Jesus suchen. In der Kirche muss er doch sein, denn Jesus sagt uns: wo zwei oder drei in seinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter euch.

 

Vielleicht ist er auch hier im Gottesdienst in der kleinen Stille nach dem Gebet. Im Atemholen zwischen dem Amen und dem nächsten Lied. Vielleicht ist er im Licht, das durchs Fenster fällt, in dem stillen Winkel hinter den Bänken, in der Flamme der Kerzen auf dem Altar, im Klang der alten Melodie.

 

Oder finde ich ihn draußen in unserem Dorf? An der Bushaltestelle? Auf dem Zebrastreifen, wo mich im Aneinander-Vorbeigehen jemand so anstrahlt, dass ich zurückstrahlen muss? Oder im Laden? Wo mich die Frau an der Kasse heute so freundlich begrüßt, dass ich merke: Hier geht es für eine Sekunde wirklich um mich?

 

Finde ich ihn hinter einer der Türen im Dorf, an denen ich schon immer klingeln wollte? Oder bei mir zu Hause?

 

Ist er im Schulbus, wo der große Jakob den kleinen Emil vor seinen Peinigern schützt?

Ist er an dem Tisch im Café, wo Gerda und Hermine, die nie miteinander geredet haben, plötzlich anfangen Kochrezepte aus zu tauschen? Ist er an dem Pflegebett von Frau Mangold, die lacht, weil Jana von der Diakonie heute wieder so nett ist?

 

Nur eine kleine Erquickung. Nur ein kleines Stück Gutes direkt aus dem Himmel. Nur eine kleine Wonne und doch wie ein Strom.

 

„Ich will euch erquicken“, sagt Jesus. Es passiert jeden Tag, liebe Gemeinde. Den Weisen ist es verborgen. Den Unmündigen ist es offenbar.

 

Die Schultern tun weh. Aber der Strom der Güte direkt aus dem Himmel erreicht uns. Wir stellen die vollen Rucksäcke ab und die zentnerschweren Eimer. Wir brauchen jetzt eine Pause. Hier ist ein Platz dafür, Gott sei Dank. Hier ist jemand, den es interessiert, wie schwer mein Gepäck ist.

Wir kreisen langsam die Schultern, einmal vor, einmal zurück. Wir finden Ruhe für unsere Seelen.

 

Dann gehen wir weiter. Wir gehen aufrecht. Alle spüren es voller Erleichterung in den Schultern: Jetzt trägt an meinem Gepäck jemand mit. Und Jesus sagt: „Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht“. Amen

 

Lied: EG+ 111 Meine Zeit steht in deinen Händen

 

Fürbittengebet

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid;

ich will euch erquicken.

Gott,

lass diesen Ruf Deines Sohnes,

so klar, so tröstlich,

in jeden kleinsten Winkel unserer Wirklichkeit dringen

und in die weiteste Ferne reichen.

Lass ihn dorthin dringen,

wo kaum mehr gesprochen wird,

in die Zimmer der Palliativstationen,

in die intensivmedizinischen Behandlungsräume,

in die Pflegeheime,

wo einsam gelitten und gestorben wird,

dorthin,

wo noch immer Besuche verboten sind

und auch Seelsorger*innen fernbleiben sollen.

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid;

ich will euch erquicken.

Lass diesen Ruf dahin dringen,

wohin kein Wort und kein Mitgefühl mehr reichen,

in die Keller, wo gefoltert und missbraucht wird,

in Zellen, Erdlöcher und Lager,

wo Menschen vegetieren.

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid;

ich will euch erquicken.

Lass diesen Ruf in die feinen Ritzen und Risse dringen,

wo Selbstüberhöhung,

Rassismus und verhärtete Ideologien

herrschen.

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid;

ich will euch erquicken.

Lass diesen Ruf dahin dringen,

wo Angst zur Panik wird,

wo Depressionen aufbrechen und Menschen krank machen.

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid;

ich will euch erquicken.

Lass diesen Ruf dahin dringen,

wo wir als Christen und Christinnen reden müssten

und doch ängstlich schweigen,

wo wir dich bekennen müssten,

und uns doch zurückziehen,

wo wir die Angst vor der Welt über alles andere stellen.

Kommt her zu mir alle,

die ihr mühselig und beladen seid;

ich will euch erquicken.

Ja, Herr,

wir wollen kommen,

kommen zu dir.

Denn du willst uns erquicken.

In der Stille bringen wir unsere Bitten vor dich

(Stille)

und beten, wie du uns gelehrt hast:

Vaterunser

 

Lied: EG+ 37 Möge die Straße


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